Barrierefreie E-Books · Prüfen
Zwei kostenlose Werkzeuge, ein Bericht, fünf Schritte. Und der Satz, der in den meisten Anleitungen fehlt.
Stand: 10. September 2026 · Versionsnummern auf der Übersichtsseite
Zwei Werkzeuge, beide kostenlos, beide von den Leuten, die den Standard schreiben. epubcheck prüft, ob die Datei ein gültiges EPUB ist. ace by DAISY prüft, ob sie barrierefrei ist. Erst epubcheck, dann ace – ein technisch kaputtes EPUB lässt sich nicht sinnvoll auf Zugänglichkeit prüfen.
Und der Satz, der in den meisten Anleitungen fehlt: Null Befunde heißt nicht barrierefrei. Es heißt, dass nichts mehr gefunden wurde, was ein Programm finden kann.
| epubcheck | ace by DAISY | |
|---|---|---|
| Frage | Ist das ein gültiges EPUB? | Ist es zugänglich? |
| Gepflegt vom | DAISY Consortium (im Auftrag der W3C) | DAISY Consortium |
| Findet | Kaputte Verweise, fehlende Dateien, ungültiges XHTML, falsche Paketstruktur | Fehlende Alternativtexte, kaputte Überschriftenfolge, fehlende Sprachangabe, schwacher Kontrast, unehrliche Metadaten |
| Braucht | Java | Node.js – oder die Ace-App ohne Kommandozeile |
| Ausgabe | Meldungen in der Konsole, optional XML oder JSON | Ein HTML-Bericht zum Durchklicken |
Wer keine Lust auf Terminal hat, installiert die Ace-App vom DAISY Consortium. Datei hineinziehen, Bericht kommt heraus, fertig. Sie macht dasselbe wie der Befehl unten und ist für die meisten der bessere Einstieg.
Die Kommandozeile lohnt sich trotzdem ab dem zweiten Buch – weil man den Befehl nach jeder Korrekturrunde wieder abschickt und die Berichte vergleichen kann. Genau das ist der Arbeitsablauf, der zu null Befunden führt.
epubcheck ist ein Java-Programm. Das Projekt gehört zur W3C, gepflegt wird es vom DAISY Consortium – von denselben Leuten also, die auch ace machen. Herunterladen, entpacken, Java installieren, dann im Ordner mit der EPUB-Datei:
java -jar epubcheck.jar meinbuch.epub
Wenn nichts kommt außer einer Erfolgsmeldung: alles gut. Sonst bekommst du Meldungen in vier Stufen.
| Stufe | Bedeutung | Handeln? |
|---|---|---|
| FATAL | Die Datei lässt sich nicht verarbeiten | Sofort. Nichts anderes geht vorher. |
| ERROR | Verstoß gegen den Standard | Ja. Shops lehnen die Datei sonst ab. |
| WARNING | Erlaubt, aber problematisch | Anschauen. Meist ja. |
| USAGE | Hinweis auf unübliche Verwendung | Zur Kenntnis nehmen. |
Für ein Archiv lässt sich der Bericht auch als Datei speichern:
java -jar epubcheck.jar --json bericht.json meinbuch.epub
Ziel dieser Runde: keine FATAL- und keine ERROR-Meldung mehr. Erst dann weiter.
ace braucht Node.js – Version 20 ist Voraussetzung, 22 wird empfohlen. Node installieren, dann einmalig:
npm install @daisy/ace -g
Prüfen, ob es geklappt hat:
ace --version
Und dann der eigentliche Befehl. Der Ausgabeordner ist wichtig – ohne ihn landet der Bericht nur als JSON im Fenster und ist praktisch unlesbar:
ace -o bericht meinbuch.epub
Im Ordner bericht/ liegen danach report.html zum Anschauen, report.json für den Vergleich zwischen zwei Durchläufen und ein Ordner data/. Wenn der Ordner schon existiert, brauchst du -f zum Überschreiben – oder du gibst jedem Durchlauf einen eigenen Ordner (bericht-01, bericht-02 …). Ich mache Letzteres: So sieht man am Ende, wie die Befunde weniger wurden, und hat für den Anhang etwas vorzuzeigen.
report.html im Browser öffnen. Der Bericht hat mehrere Teile, und die meisten Leute schauen nur auf den ersten.
Nach Schweregrad sortiert: critical, serious, moderate, minor. Jeder Befund nennt die Regel, die betroffene Datei, die Codestelle und einen Link zur Erklärung. Von oben nach unten abarbeiten – die kritischen Befunde sind fast immer auch die, die am schnellsten behoben sind.
Hier steht, was deine Datei über sich selbst behauptet: accessMode, accessibilityFeature, accessibilitySummary und der Rest. Diesen Abschnitt Zeile für Zeile mit der Wirklichkeit vergleichen. Der häufigste Fehler im ganzen Feld sitzt genau hier: Ein Programm hat alternativeText eingetragen, obwohl kein einziges Bild einen Alternativtext hat.
Drei Gliederungen nebeneinander: die Überschriften, die HTML-Struktur und das Inhaltsverzeichnis. Sie sollten zusammenpassen. Wenn im Überschriftenbaum plötzlich eine Ebene fehlt oder ein Kapitel gar nicht auftaucht, siehst du es hier – und zwar schneller als in jedem Lesegerät.
Der nützlichste Teil des ganzen Berichts, und der am meisten übersehene: eine Tabelle mit jedem Bild und dem, was daneben als Alternativtext steht. Das ist die Stelle, an der du deine Alt-Texte einmal am Stück liest statt verstreut im Quelltext. Dabei fällt auf, was ein Programm nie merken würde – dreimal derselbe Text, ein „Bild1.jpg“, ein Satz, der ohne Kontext nichts bedeutet.
Was ein guter Alternativtext ist, steht in Alternativtexte schreiben, die etwas taugen.
Das ist der wichtigste Absatz auf dieser Seite. ace prüft, was maschinell prüfbar ist – und das ist weniger, als der grüne Haken vermuten lässt. Ein Bericht ohne Befunde beweist nicht, dass ein Buch lesbar ist. Diese Dinge musst du selbst prüfen:
alt="Bild" ist formal in Ordnung und inhaltlich wertlos.en ausgezeichnet ist, merkt es nicht – die Sprachausgabe schon, und sie klingt dann furchtbar.Zwanzig Minuten, und sie ersetzen keinen Prüfbericht – aber sie finden das, was kein Bericht findet.
Die Berichte mit Datum wegspeichern, am besten neben der EPUB-Datei, und den Werkzeug-Versionsstand dazuschreiben. Das ist keine Bürokratie. Es ist der Unterschied zwischen „ist barrierefrei“ und „geprüft am 10. September 2026 mit ace 1.4.6 und epubcheck 5.3.0, null Befunde“ – und das zweite ist die Aussage, die etwas wert ist.
Auf der Übersichtsseite liegen zwei Beispiel-EPUBs mit ihren Prüfberichten: eines mit falschen Metadaten, eines korrigiert. An den beiden Berichten nebeneinander sieht man in fünf Minuten, worum es hier geht.
Ja. Sie prüfen verschiedene Dinge und ersetzen einander nicht. epubcheck sagt, ob die Datei gültig ist, ace, ob sie zugänglich ist. Ein Buch kann fehlerfrei durch epubcheck laufen und für einen Screenreader unbrauchbar sein.
Dann nimm die Ace-App. Datei hineinziehen, Bericht lesen. Für epubcheck gibt es ebenfalls grafische Oberflächen; außerdem prüfen manche Vertriebsplattformen die Datei beim Hochladen selbst.
Dann kommt die Farbe aus dem Stylesheet deines Exportprogramms. Nachsehen, wo die Farbwerte gesetzt sind, und entweder korrigieren oder die Angabe entfernen – ohne Farbangabe entscheidet das Lesegerät, und das macht es meist besser.
Manche schon, wenn du begründen kannst, warum sie in deinem Fall nicht zutreffen. Dann gehört diese Begründung aber dokumentiert. Was du nicht tun darfst: den Befund ignorieren und trotzdem in den Metadaten behaupten, das Merkmal sei erfüllt.
Nach jeder Änderung an der Datei. Und ein letztes Mal an genau der Fassung, die du hochlädst – nicht an der davor.
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Alternativtexte sind die einzige Stelle, an der ein Prüfbericht nur zählt, aber nicht beurteilt.